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Max Herre, Summerjam-Festival, Köln, 2003Fototipps zur Konzertfotografie

Tolle Bands geben nicht nur spannende Konzerte. Auch interessante Fotos entstehen dort. Die Musiker konzentrieren sich auf ihr Spiel, werden von Zuschauern bejubelt und stehen gemeinsam auf der Bühne. Die beste Gelegenheit, natürliche, ungestellte Fotos zu machen.

Doch Konzertfotografen arbeiten unter erschwerten Bedingungen: Meist ist es voll und dunkel, es darf nicht geblitzt werden und rechtliche Grenzen müssen beachtet werden. Hier einige Tipps und Hinweise aus der Praxis.

Die Vorbereitung – Planung

Ein guter Fotograf beginnt nicht mit dem Druck auf den Auslöser zu arbeiten. Im Vorfeld eines Konzertshootings sollten einige Fragen geklärt werden. Darf ich dort fotografieren? Was gibt es zu beachten? Für Fotografen ist der erste Mutabor, Melkweg, Amsterdam, 2005Ansprechpartner meist das Label oder die Promotionagentur, die das Konzert oder die Tournee betreut – die Agentur ist meist bei Tourneen zur Unterstützung eines neuen Albums der Ansprechpartner). Auf guten Webseiten von Bands sind diese Kontaktdaten meist im Pressebereich zu finden.

Ohne eine Akkreditierung darf auf Konzerten nicht kommerziell fotografiert werden. Die kann nach Größe der Band mehr oder weniger formlos erfolgen. Meist reicht eine E-Mail mit der Bitte um Akkreditierung für Fotos; der Name der Zeitschrift oder der Agentur, bei der die Fotos erscheinen sollen, sollte gleich genannt werden.

Wer ohne einen konkreten Auftrag fotografiert, hat es schwerer. Die Aufträge verteilen meist die einschlägigen Musikmedien; Initiativbewerbungen des Fotografen sind manchmal ebenfalls erfolgreich. Auch Bildagenturen, die redaktionelle Fotos anbieten, vergeben ab und zu Aufträge, z.B. bildmaschine.de.

Ist die Akkreditierung bestätigt worden, sollten die Bedingungen für Fotografen erfragt werden. Bei größeren Bands darf meist nur während der ersten drei Songs fotografiert werden, meist ist Blitzlicht verboten, manchmal darf nur von einem bestimmten Bereich - dem Fotograben - aus fotografiert werden.

Bei Festivals werden diese Informationen für die einzelnen Bands oft im Pressebereich des Festivalgeländes ausgehängt oder von der Pressebetreuung erfragt.

Wer die Songs der Band kennt, ist im Vorteil, weil er abschätzen kann, wann der Sänger ans Mikrofon tritt, wann der Gitarrist sein Soli spielen müssten oder wann alle sich in den Refrain steigern. Wer die Band persönlich kennt oder von ihr selbst den Fotoauftrag bekommen hat, kann die Mitglieder gegebenenfalls bitten, manchmal in die Kamera zu schauen und sich kurz nicht zu bewegen.

Mitnehmen

Curse, Summerjam-Festival, Köln, 2003- Kamera (am besten eine Digitalspiegelreflexkamera)
- passende Objektive (mind. 1x 50mm, 1x zwischen 90-120mm oder lichtstarke Zoomobjektive, die diese Brennweiten abdecken, z.B. 24-105mm oder 70-200mm)
- Ersatz-Akkus
- Ersatz-Speicherkarte (bei Festivals auch Laptop oder mobile Festplatte zum Zwischenspeichern der Fotos)
- (Einbein-)Stativ
- Reinigungsmittel
- Ohrenstöpsel
- Klappleiter o.ä. (wenn möglich)

Die Kamera und das Ersatzzubehör erklären sich von selbst, das Stativ auch. Die Objektive sollten möglichst lichtstark sein, Mindestblende 1:2.8 als Minimum. Je nach Größe des Konzertortes und der Band sollten die Brennweiten gewählt werden. In kleinen Clubs reicht meist ein 50mm und ein 80mm-Objektiv aus, in größeren Hallen mit eigenem Pressegraben oder auf Festivals ein 80mm und ein 120mm (oder eines zwischen 100-150mm).

Die Vorbereitung – vor dem Konzert

Pünktlichkeit ist für Fotografen Pflicht. Auch wenn Konzerte meist später als angekündigt beginnen, kann der Fotograf die Möglichkeit nutzen, sich die Halle oder den Club anzuschauen. Wo sind die besten Plätze zum Fotografieren? Wie wird die Band auf der Bühne stehen? Gibt es Erhöhungen oder störende Pfeiler? Was für Scheinwerferlicht ist installiert? Wer Glück hat, sieht die Band noch beim Soundcheck und kann einschätzen, wo die Musiker stehen werden und welches Licht von wo kommt.

Wer die Möglichkeit hat, mit dem Lichtmischer zu reden, sollte sie nutzen. Wer einen kooperativen Kollegen erwischt, kann z.B. für die ersten Songs helleres Licht oder Farbwünsche absprechen.

Nicht in jedem Ort ist die Mitnahme von Klappleitern erlaubt, voriges Fragen spart unnützes Tragen. Auch die Kamera darf manchmal nur mitgenommen werden, wenn die Akkreditierung schriftlich vorgezeigt werden kann. Also sicherheitshalber E-Mail ausdrucken oder vorher eine Faxbestätigung anfordern. Im Notfall hilft ein Handytelefonat mit der Promotion-Agentur oder der Tourbetreuung, dessen Handynummer der Fotograf parat haben sollte.

Besonders gute Plätze sind meist links und rechts am Rand der Bühne. So hat der Fotograf meist nichts im Rücken, steht kaum Zuschauern im Weg und fotografiert nicht die Nasenlöcher des Sängers direkt von unten.

Bei größeren Orten und Festivals gibt es Fotogräben, das ist ein abgesperrter Bereich vor der Bühne, in den nur akkreditierte Fotografen und Journalisten dürfen. Das erleichtert die Platzsuche und ermöglicht es auch, bessere Bilder vom Publikum zu machen.

Das Fotografieren

Tigerbombs, Magnet-Club, Berlin, 2006Beim Zubehör zum Mitnehmen ist kein Blitz angegeben, weil der meist nicht benutzt werden sollte, um die Farbstimmung des Konzertes zu erhalten. Bei zu viel Blitz wirken die Fotos eher wie aus dem Probekeller und deshalb sollte er – wenn überhaupt – nur als Aufhellblitz genutzt werden. Außerdem stört das Blitzen die Band extrem. Notfalls kann bei einer eher niedrigen und weißen Decke indirekt gegen die Decke geblitzt werden, das erhält die Lichtstimmung und stört nicht so sehr.

Hohe ISO-Werte sind bei Fotos ohne Blitz Bedingung, unter ISO 800 geht nichts, viele fotografieren auch mit ISO 1600. Hier kommt der Vorteil der Vollformatsensor-Kameras (z.B. Canon 5D oder höher) zum Tragen, da die Fotos bei diesen Werten weniger rauschen als welche mit kleinerem Sensor. Da dann nur mit dem Scheinwerferlicht der Bühne fotografiert wird, kommt es häufig zu Farbstichen in der Farbe des dominierenden Scheinwerfers, aber genau das ist meist ein gewünschter Effekt bei Konzertfotos. Blaues oder grünes Licht führt nicht so schnell zu Überbelichtung, aber das in dieser Hinsicht schwierige rote Licht lässt menschliche Haut zarter erscheinen und wirkt dynamischer, aggressiver. Grünes Licht lässt im Gegensatz die Haut eher krank erscheinen.

Wer im RAW-Modus fotografieren kann, sollte das machen und mindestens eine Blende unterbelichten. So sind die Verschlusszeiten kürzer und bei der RAW-Konvertierung kann von einem unterbelichten Foto meist mehr „gerettet“ werden als bei einem überbelichteten.

Superpunk, Köln, 2008Damit die Musiker auch in Bewegung scharf abgebildet werden, sollte mindestens eine Belichtungszeit von 1/60 angepeilt werden, besser noch 1/100 oder mehr. Manchmal kann aber auch eine Bewegungsunschärfe bei z.B. 1/30 reizvoll sein, das erfordert aber mehr Übung. Wer ein Stativ, am besten ein Einbeinstativ, benutzen kann, kann auch bei etwas längeren Verschlusszeiten noch mit scharfen Bildern rechnen.
Wenn sich die Musiker rhythmisch auf und ab bewegen oder von links nach rechts, am besten die Bewegung mitmachen und dadurch die Kamera mitziehen. Das Prinzip ist ja aus der Sportfotografie (Rad-/Autorennen) bekannt.

Manchmal kann es wegen der relativen Dunkelheit zu Problemen mit dem Autofokus (AF) kommen, weil er den Schärfepunkt nicht findet. Dann ist es gut, den manuellen Fokus im Schlaf zu beherrschen. Zur Not hilft auch das AF-Hilfslicht des (ausgeschalteten) externen Blitzes. Oder es kann in Ruhe z.B. auf eine Stelle hinter dem Mikrofon scharf gestellt werden, dann wird der AF ausgeschaltet und solange die Position von Fotograf und Sänger nicht gewechselt wird, werden die Bilder scharf.
Bei Portraitaufnahmen der Musiker ist eine Selektiv- oder Spotmessung des Lichts vorteilhaft, damit das Scheinwerferlicht nicht den Helligkeitsmesser der Kamera durcheinander bringt. Bei Aufnahmen der gesamten Band ist eher die mittenbetonte Messung zu empfehlen.

Die Serienbildfunktion der modernen Kameras ist nicht zu unterschätzen und sollte ausgiebig genutzt werden. Das Einfangen wirklich grandioser Gesichtsausdrücke wird so sehr vereinfacht.

Tryo, Summerjam-Festival, Köln, 2003Zu den Motiven: Schaue und lerne. Lese regelmäßig Musikmagazine und schaue Dir die Fotos darin an. Die üblichen Gestaltungsregeln der Fotografie (Diagonalen, goldener Schnitt, Hintergrund beachten, Anschnitt, etc.) gelten auch bei der Konzertfotografie.
Sehr hilfreich sind die Refrains eines Songs zum Fotografieren, weil sich da die Bewegungsabläufe eher wiederholen und man so besser abschätzen kann, was die Musiker als nächstes machen. Da die meisten Gitarristen Rechtshänder sind, ist es besser, links vom Gitarristen zu stehen, damit die Gitarre nicht von hinten zu sehen ist. Ähnliches gilt für den Sänger, der meist mit der rechten Hand das Mikrofon anfasst und somit bei Fotos von rechts der Arm das Gesicht verdecken kann.

Nicht vergessen, auch mal das Publikum zu fotografieren und Details einzufangen: Der Fuß auf dem Verzerrer, die Hand am Gitarrengriff oder am Mikrofon. Manchmal ergibt auch der Auf- oder Abbau stimmungsvolle Bilder, vor allem, wenn die Band das noch selbst macht. Der Schlagzeuger sollte besonders beachtet werden, weil es von ihm meist am wenigsten Bilder gibt und er durch seine Position und weniger Licht schwieriger zu fotografieren ist.

Für ein Konzert reichen meist zwei bis vier GB-Speicherkarten, bei Festivals sollte auf jeden Fall ein Laptop oder eine mobile Festplatte mitgenommen werden. Lieber die Bilder zu Hause aussortieren als es auf dem kleinen Kameramonitor entscheiden zu müssen, ob die Bilder wirklich scharf sind oder nicht.

Und wie überall gilt auch bei der Konzertfotografie: Üben, üben, üben.

Rechtliches

Wer Menschen fotografiert, muss bei der Veröffentlichung einige Regeln beachten, da jeder Mensch sein “Recht am eigenen Bild“ hat. Ausgenommen sind unter bestimmten Umständen absolute oder relative Personen der Zeitgeschichte. Ersteres sind Personen, die immer berühmt sind, wie Präsidenten, der Papst oder besonders große Popstars wie Madonna, Michael Jackson, die Rolling Stones etc. Relative Personen der Zeitgeschichte sind Menschen, die nur „manchmal“ berühmt sind, weil sie etwa eine Auszeichnung überreicht bekommen oder eben ein Konzert geben.

Tigerbombs, Magnet-Club, Berlin, 2006Für redaktionelle Zwecke dürfen Bandfotos in der Regel genutzt werden, also um einen Artikel über das Konzert zu bebildern. Eine Akkreditierung (siehe oben) ist jedoch Voraussetzung. Einige große Bands oder Musiker (Moby, Robbie Williams, Rolling Stones) versuchen jedoch, mit Knebelverträgen den Fotografen Auflagen zu machen, was die Nutzung der Bilder angeht. Da hilft es nur, die Verträge aufmerksam zu lesen und im Notfall nicht zu unterschreiben – und dann auch auf Fotos zu verzichten.

Für eine kommerzielle Nutzung der Fotos (Werbung, Merchandise, ...) ist üblicherweise eine schriftliche Erlaubnis des Konzertveranstalters (soweit erkennbar ist, wo das Konzert war) und der Band notwendig.

Andersrum gilt natürlich, dass Bands, die deine Fotos benutzen wollen, dein Urheberrecht an den Fotos beachten müssen, die Bilder also ebenfalls nicht ohne Deine Erlaubnis nutzen dürfen.

Für mehr Informationen zu den rechtlichen Bedingungen seien Webseiten wie www.fotorecht.de empfohlen.

Robert Kneschke

Über den Autor:
Robert Kneschke arbeitet seit mehreren Jahren als Musikjournalist und Fotoproduzent, unter anderem als stellvertretender Chefredakteur des Musikmagazins www.bloom.de, für die Reggae-Zeitschrift riddim u.a.

Auf den Fotos zu sehen:
1) Max Herre, Summerjam-Festival, Köln, 2003
2) Mutabor, Melkweg, Amsterdam, 2005
3) Curse, Summerjam-Festival, Köln, 2003
4) Tigerbombs, Magnet-Club, Berlin, 2006
5) Superunk, Gebäude 9, Köln, 2008
6 ) Tryo, Summerjam-Festival, Köln, 2004
7) Tigerbombs, Magnet-Club, Berlin, 2006